Nördlicher Ramolkogel (3428m)
Oktober 2001

Region: Ötztaler Alpen       
Route: Normalweg
Charakter: Hochtour, I
Dauer: 2 Tage
Aufstieg: 1500 hm   Abstieg: 1500 hm
Höchster Punkt: 3428 m (Nördlicher Ramolkogel)
Partner: Jogi, Burki
Resultat: Teilerfolg

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1.Tag     Aufstieg: 1080 hm, 3 h

Es ist schon Anfang Oktober und ich habe dieses Jahr noch keine Tour in den Bergen unternommen. Nun ja, man wird eben nicht jedes Jahr Vater, die Prioritäten verschieben sich dann verständlicherweise. Wenigstens eine Tour soll es aber doch sein. Glücklicherweise kündigt die Wettervorhersage für das geplante Wochenende ideales Bergwetter an. Blick ins Tal nach Ober- und Hochgurgl Da auch Jogi dieses Jahr noch nicht in den Alpen war, brennt auch er darauf, die Bergstiefel wieder zu schnüren. Burki ist sowieso für jede Tour zu begeistern, so dass wir uns schliesslich zu dritt auf ins Ötztal machen, um dort über das Ramolhaus den Ramolkogel zu besteigen. Nach 3-stündiger Anfahrt von Ulm treffen wir in Obergurgl ein. Der Ort scheint jetzt im Oktober wie verlassen. Die Saison für die Sommergäste ist schon vorbei und für die Skifahrer ist es noch zu früh. Ein Einheimischer versichert uns, dass der Winterraum des Ramolhauses immer geöffnet ist und dass es dort einen Ofen und genügend Decken gibt. Jogi und ich packen daraufhin die Schlafsäcke wieder aus, Burki möchte auf diesen Komfort nicht verzichten. So machen wir uns um 11:00 Uhr mit den immer noch viel zu schweren Rucksäcken auf den Weg.

Schon von Obergurgl kann man unser Ziel, das Ramolhaus, erahnen. Es trohnt auf einem Felsvorsprung über dem Gurgler Ferner. Burki vor dem Ramolhaus Bis dahin sind jedoch noch 1000 hm zu überwinden.  Nach einem kurzen Steilstück zu Beginn lässt die Steigung bald nach und der Pfad zieht gemächlich an den rechten Hängen des Tales in Richtung Ramolhaus. Das Wetter ist phantastisch, keine Wolke am Himmel. Wir kommen zusehends ins Schwitzen und legen mehrmals Pausen ein, um unsere Flüssigkeitsspeicher wieder aufzufüllen. Nach ca. 3 Stunden erreichen wir nach einem letzten Steilstück das Ramolhaus. Die Aussicht von dieser 3006 m hoch gelegenen Hütte ist beeindruckend. Vor uns breitet sich der Gurgler Ferner aus, links davon kann man das Hochwildehaus erkennen und über allem trohnt die 3482 m hohe Hochwilde. Auch den Anstieg zum Ramolkogel kann man teilweise einsehen.

Ausser uns ist nur ein weiterer Bergsteiger auf der Hütte. Dieser hat heute alle Ramolkögel (Grossen, Mittleren, Kleinen, Nördlichen) bestiegen und plant für morgen die Überschreitung von Spiegelkogel, Firmisanschneid und Schalfkogel. Hochwilde im Sonnenuntergang Für unsere Verhältnisse eine gewaltige Tour. Als er uns jedoch abends von seiner letzten 7000er Expedition erzählt, sehen wir ein, dass er in einer anderen Liga spielt. Der Winterraum ist in desolatem Zustand. Der Boden ist dreckig, die Matratzen und die Decken sehen wenig einladend aus. Der Ofen erweisst sich als nahezu unbrauchbar, da aus allen Ritzen Qualm dringt. Wir verzichten somit aufs Schneeschmelzen und begnügen und mit dem Schmelzwasser aus der Dachrinne. Unsere Brotzeit schmeckt hier oben doppelt gut, schliesslich haben wir alles selbst heraufgeschleppt. Nach einem herrlichen Sonnenuntergang verziehen wir uns ins Lager. Auf Grund des defekten Ofens und der dünnen Decken wird es eine kalte Nacht.

 

2.Tag     Aufstieg: 420 hm, Abstieg: 1500 hm, 7 h

Da heute nur 500 hm auf uns warten, gönnen wir uns den Luxus, auszuschlafen… wann gibt es das schon einmal auf einer Berghütte. Um 9.00 Uhr beginnen wir schliesslich den Aufstieg  zum Ramolkogel. Da die oberste Schneeschicht noch gefroren ist und gleich zu Beginn ein steiler Firnhang gequert wird, gehen wir ab der Hütte mit Steigeisen. Mittlerer Ramolkogel Die Route verläuft unter dem Nordgrat des Schalfkogels und führt weiter über nicht allzu steile Firnfelder. Wir lassen das Ramoljoch links liegen und halten auf den Sattel zwischen dem Mittleren und Nördlichen Ramolkogel zu. Nach 1 Stunde haben wir den Sattel erreicht und wenden uns nun nach links dem Mittleren Ramolkogel zu. Nach wenigen Metern steilt der Grat auf und ein abschüssiges Schneefeld muss rechts vom Grat erstiegen werden. Wir fühlen uns etwas unbehaglich, denn der Schnee ist  weich und bietet kaum Halt, am unteren Ende des Schneefeldes lauert eine grosse Randkluft. Ich versuche, weiter links direkt auf dem felsigen Grat eine Weg nach oben zu finden, während Jogi und Burki über das Schneefeld aufsteigen. Mein Vorstoss direkt am Grat gerät jedoch ins Stocken, denn die Felsen sind mit einer Eisschicht überzogen, ein Weiterklettern scheint mir zu riskant. Auch Burki, der jetzt 10 m über mir den Grat erreicht, ist unsicher, ob ein weiterer Anstieg nicht zu gefährlich ist. Jogi steigt noch weitere 30 m auf, muss dann aber auch einsehen, dass das Risiko zu gross ist. Es liegt einfach zu viel Schnee in der Route. Wir kehren um. Ich baue einen Stand und sichere Jogi über das steile Schneefeld wieder bis zum Sattel hinunter, dann seilen Burki und ich ab.

Nach einer kurzen Pause beschliesst Jogi, zumindest noch den Nördlichen Ramolkogel (3428 m) zu besteigen. Burki und ich sind von dieser Idee zunächst nicht begeistert und beschliessen daher, auf dem Sattel auf ihn zu warten. Als uns Jogi jedoch schon nach 15 Minuten vom Gipfel zuwinkt, entschliessen auch wir uns, wenigstens diesen Berg zu besteigen. Über den Südgrat erreichen wir ohne Schwierigkeiten den Gipfel. Bei der anschliessenden Brotzeit geniessen wir das phänomenale Panorama. Der Blick reicht von den Stubaier  Alpen über die Dolomiten bis zum Ortler. Gegenüber trohnt die Wildspitze. Das Wetter ist immer noch unglaublich: Sonnig, windstill und warm. Diese Bedingungen findet man selbst im Hochsommer selten. Jogi, hinten der Nördliche Ramolkogel Mittlerer und Grosser RamolkogelSo steigen wir wenigstens mit einem Gipfelerfolg in der Tasche wieder ab zum Ramolhaus. Dort angekommen werden die letzten Reste unseres Proviants vertilgt. Lieber tragen wir es im Magen als im Rucksack mit ins Tal. Der Abstieg ins Tal gestaltet sich recht zäh, man verliert nur langsam an Höhe und so benötigen wir mit einigen Pausen 2 ½ Stunden bis nach Obergurgl. Eine schöne Tour geht zu Ende, und auch wenn wir unser eigentliches Ziel, den Grossen Ramolkogel, nicht erreicht haben, sind wir alle zufrieden. Bemerkenswert ist vor allem, dass wir in diesen zwei Tagen nur einen weiteren Bergsteiger getroffen haben. Der Ramolkogel ist eben keine Modetour. Ich habe ein paar beachtliche Blasen vorzuweisen und schwöre mir, bis zur nächsten Tour neue Bergstiefel anzuschaffen. Um 18:00 Uhr steigen wir ins Auto. Burki und ich setzen Jogi in Ulm ab und sind schliesslich nach 5 Stunden Fahrt wieder in Nürnberg.

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